Bonsai Arbeitskreis Augsburg    Aktuelles Ältere Themen aus unseren Arbeitskreistreffen finden Sie im Bonsaiwissen. D Arbeitskreistreffen vom 02.05. und 06.06.2017 Thema: Bewertung von Bonsai Am 2.5. sprachen wir über die Bewertung von Bonsai in der Theorie, am 6.6 folgte die Praxis. Auf der Homepage des BCD findet man Bewertungsrichtlinien, die jeder mal zur Bewertung seiner Bäume hernehmen kann. Die Richtlinien gliedern sich in den ästhetischen und den analytischen Teil. Beim ästhetischen Teil geht es um die Ausgeglichenheit, Balance, Suggestivwirkung, Charakter, Dramatik und Reife. Dies ist um ein Vielfaches schwieriger zu beurteilen als der analytische Teil. Dazu erschien mal in der Bonsai Art ein Artikel von Edoardo Rossi, der sich diesem Thema widmete. Danach ist die wichtigste Qualität des Bonsai die Emotion, die der Baum in einem auslöst. Rossi stellt sich die Frage, ob ein Bonsai eine Seele haben kann. Wenn ein Bonsai von einem Menschen über Jahre und Jahrzehnte entwickelt, geformt, geschaffen wurde, nimmt der Baum einen Teil des Seele des Menschen auf. Der Baum ist ein Teil seiner Erfahrung und seines Lebens geworden. In Japan sagt man, der Mensch gestaltet nicht den Baum, sondern der Baum gestaltet den Menschen. In Japan wird Schönheit oft mit dem Guten und der Wahrheit verbunden. Shin Zen Bi heißt, es gibt keine Schönheit, die auch das Gute und die Wahrheit beinhaltet. Dieses Konzept hat auch schon der griechische Philosoph Platon gut ausgearbeitet. Nach unserem Ausflug über den Geist des Bonsai kamen wir zurück zur Realität und schauen uns den analytischen Teil an. Oberflächen wurzeln, Stamm, Astaufbau, Bonsaischale, Platzierung des Baumes, Erdoberfläche, Unterpflanzung, Baumkrone, Blätter, Nadeln Blüten, Früchte, Verzweigung. Am 6.6. schritten wir zur Tat, wir verteilten die BCD Bewertungsbögen und bewerteten 3 Bäume von Arbeitskreismitgliedern. Dabei stellte sich heraus, dass dies gar nicht so einfach ist. Danach wurden die Ergebnisse besprochen. Man sollte dies auch bei den eigenen Bäumen machen, Berwertungen schärfen den Blick für Fehler und können dazu beitragen, unsere Bäume zu verbessern. Arbeitskreistreffen vom 05.09.2017 Thema: Hainbuchen als Bonsai Carpinus gehören zur Gattung der Birkengewächse und sind nicht zu verwechseln mit Rotbuchen - Fagus. Bei uns heimisch ist Carpinus betulus, Gewöhnliche Hainbuche, Weißbuche, Hornbaum oder Hagebuche. Da sie sehr wuchsfreudig sind und auch aus altem Holz wieder austreiben, sind sie als Bonsai sehr geeignet. Im Sommer können Hainbuchen schnell überhitzen, wodurch die Blattränder braun werden, dagegen hilft Schattieren oder ein halbschattiger Platz. Beim Drahten  muss man aufpassen, da Drahtspuren bei der glatten Rinde schlecht verheilen. Vermehren kann man Hainbuchen u.a durch Abmoosen, dabei werden gute Ergebnisse erzielt. Salzempfindlich, daher mit Regen- oder weichem Leitungswasser gießen. Wegen der Salzempfindlichkeit muss man mit mineralischen Dünger aufpassen, am sichersten düngt man organisch. Im Sommer immer die großen Blätter ausschneiden, so dass Licht nach innen dringt, da der Baum sonst von innen verkahlt. In Südeuropa ist die orientalische Hainbuche, Carpinus orientalis heimisch. Die Blätter sind kleiner als bei unserer Hainbuche. Rohlinge werden immer öfter von südosteuropäischen Händlern angeboten. Die Frostfestigkeit ist nicht so hoch, eine geschützte Überwinterung ist empfehlenswert. Eine weitere in Europa beheimatete Buchenart ist die Hopfenbuche, (Ostrya carpinifolia) aber als Bonsai schwierig. Noch kleinere Blätter und eine schöne Herbstfärbung haben die asiatischen Hainbuchen. Oft gepflegt wird Carpinus laxiflora, die lockerblütige Hainbuche, die aus Japan stammt. Als Bonsai weit verbreitet ist auch die koreanische Hainbuche, Carpinus turczaninowii. Importierte Bäume haben oft große Wunden, die schlecht zuheilen. Sehr schön ist der oft gewundene Stamm mit einer im Alter schönen weißen Rinde sowie die rote Herbstfärbung.  Die genaue Artenbestimmung für weitere aus Japan, Korea oder China kommende Arten wir Carpinus tschonoskii, Carpinus coreana oder Carpinus japonica gestaltet sich schwierig. Arbeitskreistreffen vom 10.10.2017 Thema: Fichtenbonsai Die Fichte ist der Baum des Jahres 2017. Der Name kommt vom lat. Pix = Pech, Bezeichnung für das harzhaltige Holz. Oft haben im Gebirge gesammelte Fichten kurze Nadeln. Je höher der Standort ist, umso kürzer sind die Nadeln. Stehen die Fichten dann als Bonsai im Tal, werden die Nadeln wieder lang. Das mag mit der UV Strahlung zusammenhängen. Fichten haben bei guter Pflege (Rückschnitt, Entfernen des Terminaltriebs und Pinzieren) eine schöne Rückknospung. Als Bonsai ist ihr Hauptproblem, dass sich die Äste nach dem Entdrahten immer wieder aufrichten und so ihre Form verändern. Abhilfe schafft Abspannen nach dem Entdrahten. Die Fichte ist ein Bonsai für Geduldige. Fichtenbonsai brauchen viel Wasser, deshalb ist eine tiefere Schale und ein halbschattiger Standort von Vorteil. Neben den heimischen Fichten ist die japanische Ajanfichte, sowie die Sachalinfichte sehr beliebt, es ist jedoch schwierig, an gutes Material zu kommen. Besten Dank an alle, die zu unserem Treffen ihre Fichten als Anschauungsmaterial mitgebracht haben. Heute hielt Hans einen Vortrag über das Schärfen von Scheren und Zangen. Schade, dass so wenig Interesse an dem Vortrag fanden. Hans stellte alle manuellen und maschinellen Möglichkeiten, Geräte zu schärfen, anhand seines Powerpointvortrages vor. Danach ging er ausführlich auf die verschiedenen Werkstoffe, Schneidengeometrie, Vorspannung, Überbiss bei Zangen, Spielveränderungen bei Werkzeugen in Theorie und Praxis ein. Hans beendete seinen Vortrag  mit den Worten: Gutes Werkzeug kauft man nur einmal, schlechtes öfter. So kann eine gute Schere ein Leben lang halten. Arbeitskreistreffen vom 20.02.2018 Thema: “Kiefern als Bonsai” Nachdem wir uns bereits im November 2011 über Kiefern unterhalten hatten, frischten wir unser Wissen diesmal wieder auf. Ziel ist, das Wachstum so auszubalancieren, dass die schwachwüchsigen Bereiche gestärkt und die starkwüchsigen Bereiche gebremst werden. Dies beginnt im Frühjahr mit dem Einkürzen der Kerzen um 2/3 oder ¾ ihre Länge, wenn die Nadeln ca 1 cm lang sind. Schwachwüchsige Kerzen werden nicht oder weniger eingekürzt. Einige Wochen später, wenn die neuen Nadeln ca. 2 cm lang sind, werden die Nadeln des Vorjahres mit der Schere entfernt, um mehr Licht in das Pflanzeninnere zu lassen. Dadurch setzt eine stärkere Rückknospung ein. Gegen Herbstende werden an starken Trieben die neuen Nadeln auf 5 – 6 Nadelpaare zurückgeschnitten oder gezupft. Schwächere Triebe werden weniger oder gar nicht gezupft. Letztendlich sollten an jedem Trieb gleich viel Nadeln sein. Jetzt können auch überzählige Knospen reduziert werden. An jeder Triebspitze sollen max. 2 Knospen stehen bleiben. Hans Kastner bevorzugt bei 2 nadeligen Kiefern folgende Vorgehensweise: Er läßt im ersten Jahr die Triebe bis Mitte August wachsen, dadurch kräftigt sich der Baum. Mitte August werden die neuen Triebe komplett abgeschnitten. Jetzt bilden sich viele neue Knospen und eine gute Rückknospung. Im nächsten Jahr wird das Wachstum durch Knospenselektion und Schnitt der Neutriebe im Frühjahr ausbalanciert. Im 3. Jahr darf der Baum wieder bis Mitte August wachsen. Othmar Auer bevorzugt bei Schwarzkiefeern Mitte bis Ende Juni das “Mekiri”. Dabei werden alle, auch die schwachen Neutriebe völlig entfernt. Jetzt benötigt die Pflanze 90 schöne Tage, um einen 2. Austrieb mit kurzen Nadeln zu produzieren. Im Herbst wwrden die alten Nadeln bis auf 6-8 Paare geschnitten und der Baum strukturiert. Nach meinen Erfahrungen klappt das auch bei uns, wenn wir einen schönen Sommer bekommen, und dann auch nur bei japanischen Schwarzkiefern (P. thunbergii), nicht bei P. nigra. Probieren geht über Studieren. Die Bilder zeigen meine jap. Schwarzkiefer vor und nach dem Herbstschnitt.   Arbeitskreistreffen vom 13.03.2018 Thema: “Die Bonsaischale” Heute sprachen wir über Bonsaischalen und deren richtige Auswahl. Die Beziehung einer Schale zum Baum ist wie ein Bild zum Bilderrahmen. Das eine soll das andere ergänzen. Die Schale soll immer für die gestaltete Pflanze gewählt werden, nie umgekehrt. Sie soll sich dem Baum unterordnen. Ein aufrechter Stamm harmoniert mit einer rechteckigen Schale, weiche Baumformen bevorzugen eine ovale Schale. Schalen für Bunjin können sehr klein und flach sein. Glasierte Schalen werden i.d.R. für Laub- unglasierte Schalen werden für Nadelpflanzen verwendet. Die Farbe der Schale muss mit dem Baum harmonieren. Anhaltspunkt sind die Komplementärfarben, blau - orange, gelb- -lila oder rot - grün. Die Länge der Schale sollte 2/3 der Baumhöhe, bei breiten Bäumen 2/3 der Baumbreite entsprechen. Die Höhe der Schale entspricht der Stammdicke am Ansatz. Frisch getöpferte Schalen werden zuerst geschrüht, das heißt bei ca. 800 Grad vorgebrannt, anschließend glasiert und danach bei 1230 - 1280 Grad gebrannt. Dadurch wir der Ton wasserundurchlässig (gesintert) und daher frostfest. Eine frostfeste Schale erkennt man am hellen Klang. Erste Bonsaischalen wurden vor mehr als 500 Jahren in China getöpfert (Yixing). Danach kamen sie nach Japan und wurden dort gefertigt. Bekannteste Stadt für Bonsaischalen ist Tokoname, wo es einen ganz besonderen Ton gab. Leider sind dort die Ressourcen erschöpft, so dass Ton nach Tokoname importiert werden muss. Glücklich kann sich schätzen, wer noch eine alte Tokonameschale besitzt. Zwischenzeitlich werden alte historische chinesische Schalen wieder von Japan nach China für Unsummen Geld exportiert, da in China u.a. während der Kulturrevolution Unmengen Schalen vernichtet wurden. Schalen, die keine Massenware sind, tragen i.d.R. ein Siegel des Töpfers oder der Töpferei am Boden. Im Internet oder im "Bonsaiachforum" gibt es viele Informationen, welches Siegel welchem Töpfer zugeordnet werden kann. Bereits John Naka sagte, eine Schale ist perfekt, wenn sie "Shibui" ist, das heißt, Einfachheit, Feinheit, Anmut, Ruhe und Natürlichkeit ausstrahlt. Arbeitskreistreffen vom 07.11.2017 Thema: Werkzeugpflege Die Themen der Arbeitskreistreffen vom April bis November 2018 waren Wiederholungen der Vorjahre und können unter dem Reiter Bonsaiwissen eingesehen werden. Impressum und Datenschutzerklärung Arbeitskreistreffen vom 08.01.2019 Thema: “Werkzeug und dessen Pflege” Heute führte Hans in seinem Vortrag das Thema Werkzeug und dessen Pflege fort. Anschaulich stelle er dar, welches Werkzeug man braucht. Er erklärte die unterschiedlichen Qualitäten, Unterschiede zwischen Carbonstahl- und Edelstahlwerkzeugen. Anschließend ging es um das Schleifen in Theorie und Praxis. So konnte jeder sein Wissen erweitern. Schön, so einen kompetenten Referenten im Arbeitskreis zu haben, Besten Dank. Arbeitskreistreffen vom 12.02.2019 Thema: “Drahten und Formen” Heute gab es von Hans Infos zum Drahten und Formen. In seinem ausführlichen Vortrag wurde das Warum, die Regeln, das Material und die Grundlagen des Drahtens und Formens behandelt. Es wurden die Vorarbeiten, der Holzaufbau der Zellen und deren Folgen durch das Drahten erläutert. Anschließend gab es Infos zur Narbenbildung und Drahtentfernung. Des weiteren gab es Tipps zum Biegen von dicken Ästen und Biegen von “harten Stellen”. Zum Schluß wurden Erste Hilfe Maßnahmen bei Astbruch und das Spalten von Stämmen erläutert. Wir freuten uns, dass so viele Arbeitskreismitglieder den Ausführungen von Hans gefolgt sind. Danke an Hans für sein Engagement, toll, dass du uns an deinen langjährigen Erfahrungen teilnehmen lässt. Arbeitskreistreffen vom 12.03.2019 Thema: “Prunus als Bonsai” Prunus gehören zur Familie der Rosengewächse - Rosaceae. Diese Familie besteht aus ca. 100 Gattungen und ca. 3000 Arten. Neben den Rosen gehören auch Birne, Apfel, Zwetschge, Kirsche, Mandel, aber auch Feuerdorn dazu. Zur Unterfamilie der Steinobstgewächse gehört mit über 200 Arten auch die Gattung Prunus. Als Bonsai werden davon vor allem gepflegt: Felsenkirsche/Steinweichsel (P. mahaleb) Schlehe/Schwarzdorn (P. spinosa) Jap. Arikose (P. mume) Jap. Blütenkirsche/Zierkirsche (P. serrulata) Mirabelle/Kirschpflaume (P. domestica bzw. cerasifera) Die Steinweichsel (P. mahaleb) begeistert durch viele Blüten im Frühjahr, kleine Blätter und schwarze Früchte. Schwierig ist, eine ansprechende Verzweigung zu erzielen. Da sie kalkliebend ist, kann sie mit hartem Leitungswasser gegossen werden, Standort sollte sonnig sein. Sie ist relativ frostfest, die Gestaltung ist meist frei aufrecht oder auch als Kaskade. Da die Steinweichsel sehr hartes Holz hat und sie sich gut gegen Wunden abschottet, kann man auch Totholzbereiche gestalten, die auch am natürlichen Standort vorkommen. Wenn man das Holz fräst, riecht es nach Bittermandel, da das Holz Blausäure enthält. Der erste Rückschnitt erfolgt nach der Blüte im Mai, danach ist immer wieder ein weiterer Rückschnitt, Teil- oder Vollblattschnitt möglich. Drahten ist nur bei jungen Ästen möglich, das Abmoosen funktioniert bei dieser Art auch gut. Die Schlehe (P. spinosa) ist seit der Steinzeit eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Sie bezaubert durch frühe schneeweiße reichhaltige Blüte, kleine Blätter, gute Verzweigung und lila Beeren, die bis zum Frühjahr am Baum bleiben. Ein sonniger heller Standort wird bevorzugt, auch die Schlehe ist kalkliebend und kann mit hartem Leitungswasser gegossen werden. Sie ist sehr frostfest. Der Rückschnitt erfolgt, wenn die Triebe ca. 10 cm lang sind, ein selektiver Blattschnitt ist möglich. Das Drahten ist nur bei jungen Zweigen möglich, Abmoosen ist erfolgreich. Das Ausgraben von wilden Schlehen ist sehr schwierig, da sie sehr lange Wurzeln haben und die Bäume deren Rückschnitt oft nicht überleben. Die japanische Apikose (P. mume), jap. Ume ist als Bonsai etwas zickig. Oft sterben aus unerfindlichem Grund Triebe ab, es ist schwierig, eine feine Verzweigung zu erzielen. Die Überwinterung sollte möglichst frostfrei sein. Dafür blüht sie oft schon Anfang Januar, in Japan wird sie mit Schwarzkiefer und Bambus als Neujahrsarrangement verwendet. Die Blüten duften außerordentlich. Die Bäume werden oft mit dramatischem Totholz gestaltet. Problematisch ist auch der Schnitt. Nach der Blüte dürfen Äste nur geschnitten werden, wenn darunter noch Blattknospen sitzen, ansonsten ist der Ast verloren. Danach wachsen lange Triebe, die oft nur an der Spitze Blütenknospen für das nächste Jahr enthalten. Nach einem Artikel in BonsaiArt kann man dem entgegenwirken, wenn man die Äste knickt, dann sollen sich die Blütenknospen am unteren Teil des Astes bilden. Ich habe dies letztes Jahr erfolgreich versucht. Die japanische Blütenkirsche auf japanisch "Fuji sakura", wird eigentlich nur wegen der Blüte gehalten. Sie ist feuchtigkeitsliebend, verträgt hartes Leitungswasser, ist aber sehr frostempfindlich. Wegen der schönen frühen Blüten sollte ein Baum der Gattung Prunus in keiner Bonsaisammlung fehlen.